Krimimama – Schreiben mit Kindern

Über das Schreiben, den Alltag und den Rest der Welt – ein Blog von Kristina Herzog

Stolperfallen

Es ist immer wieder unglaublich, wie plötzlich und absolut man aus seinem Leben katapultiert werden kann. Manchmal erscheint es mir noch unwirklich, dass ich wirklich erst vor einer Woche im Krankenhaus zur Untersuchung war, um dort schon zwei Tage später operiert zu werden. Der Moment war ein wenig ungünstig. Es war der erste Ferientag und eigentlich sahen die Pläne so ganz anders aus. Aber es ist eben nicht alles immer planbar. Manches muss gemacht werden und zwar möglichst schnell.

Und so fand ich mich zwei Tage später im Nachthemd im Krankenhausbett wieder, darauf wartend, dass ich endlich dran käme. Gibt es eigentlich etwas ähnlich Zermürbendes wie das Warten auf eine OP? Man hungert, man hat Durst und man ist nervös.

So richtig hilfreich ist es dann nicht, wenn die sehr gesprächige Bettnachbarin auf einmal beginnt, sich mit ihrer Plüschmaus zu unterhalten. Leider war die Maus nicht gut auf mich zu sprechen und stieß immer wieder Verwünschungen gegen mich aus, was nun wieder meiner Stimmung nicht allzu zuträglich war. Aber irgendwann war es dann endlich so weit und alles ging ganz gut über die Bühne. Ja, ich warte derzeit noch ein wenig auf die Normalität, denn so ganz bei mir bin ich noch nicht. Ein Hoch auf die Schmerzmittel, denn der Versuch, heroisch auf jegliche Schmerzmedikation zu verzichten, ging gründlich in die Hose.

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Was aber wirklich nervig ist, ist das Gefühl, dass mein Gehirn noch nicht wieder so beweglich ist wie sonst. Ich kenne es eigentlich nicht, dass mir Dinge nicht einfallen oder ich Sachen zweimal lesen muss, um sie zu verstehen, aber ich hoffe sehr, dass sich auch das  wieder einpendelt.

Blöd ist nur, wenn man dann z. B. Facebook öffnet und sieht, dass das Leben, obwohl es bei mir selbst stillzusehen scheint und ich auf so wesentliche Dinge wie das Kümmern um meinen angeschlagenen Körper zurückgeworfen bin, überall munter weitergeht. Was bei den anderen alles passiert und wie schillernd ihr Leben doch ist, während ich gezwungen bin, mich mit grundlegenderen Dingen zu beschäftigen.

Aber auch wenn das ein wenig stichelt und ich gerne mithalten könnte, es geht im Moment eben nicht. Anderes ist wichtiger. Und es ist toll zu sehen, wie sehr beide Kinder bemüht sind, mich zu unterstützen und es mir leichter zu machen. Das erdet und tröstet. Und es ist toll zu sehen, dass es engagierte Ärzte gibt, die dir das Gefühl vermitteln, dass ihnen an deinem Wohlergehen etwas liegt. Also: Frisch voran zurück ins Leben!

Hitze, Handball and You

Das Leben mit Kindern läuft doch anders, als das ohne. Ich meine, ich wäre ohne Kinder höchstwahrscheinlich nicht am bisher heißesten Wochenende dieses Jahres auf eine Jugendmesse gegangen und hätte eine halbe Stunde gewartet, um endlich beim Stand up – Paddling dranzukommen. Ich hätte sicherlich auch nicht begeistert gekreischt, um K1 samt Ehemann anzufeuern, die bei den Lasergames hinter aufblasbaren Hindernisse hocken und auf die Stirnbänder ihnen unbekannter Jugendlicher zielen. Aber so ist das.

Da schleicht man dann durch die zehrende Sonne und bemüht sich, einen klaren Gedanken zu fassen, während die Kinder Neues kennenlernen und Spaß haben, während man selbst bemerkt, dass die eigene Jugend doch schon ein paar Jahre zurück liegt.

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Um den Spaß noch zu erhöhen, hatte mein Sohn am darauffolgenden Tag ein ganztägiges Turnier. Treffen um 8 Uhr 30, natürlich in einem anderen Teil der Stadt. Die Pizzaschnecken, die er mitbringen durfte, haben wir also am Vortag zusammengezimmert. Und dann: Handball spielen bei knapp 40 Grad Celsius. Man gönnt sich ja sonst nichts. Allerdings muss ich sagen: Ich habe nach den Erfahrungen des Vortages mit K2 darauf verzichtet, mitzugehen. Also zogen K1 und der Ehegatte vor acht Uhr am Sonntag los, lasen noch einen Mannschaftskollegen auf, ließen sich in der 30-Zone blitzen und dörrten draußen vor sich hin. Und was soll ich euch sagen: Obwohl sie natürlich von Kopf bis zu den Zehen mit Sonnenmilch eingecremt waren, haben sie es geschafft, sich Sonnenbrände einzufangen. Aber es hat sich gelohnt: K1 hatte Spaß und seine Mannschaft landete im Mittelfeld. Am Nachmittag kamen die beiden dann völlig zerschlagen zurück. Ich sag‘s ja: Das Leben mit Kindern läuft ein wenig anders.

Kampf und so

Es ist schon beruhigend zu wissen, dass sich die kleine Tochter gegen vermeintliche Angreifer zur Wehr zu setzen weiß. Allerdings zu sehen, wie sie das dann macht, ist eine ganz andere Sache.

Es ist nämlich so: Meine Tochter, die von Natur aus eher vorsichtig veranlagt ist und das erste Schuljahr zur Sicherheit jede Pause auf der Kletterspinne verbrachte, hat vor rund zweieinhalb Jahren mit Ju Jutsu angefangen. Dankenswerterweise hat ihr das Wissen um ihre Kampfkraft ein gehöriges Maß an Sicherheit gebracht. Sie ist inzwischen schon das zweite Jahr Klassensprecherin und weiß auch die in diesem Alter ab und an etwas hitzigen Jungen in ihre Schranken zu weisen. Wohlgemerkt ohne körperliche Übergriffe.

Diese Woche nun hatte sie Gürtelprüfung. Sie hat schon einige Prüfungen hinter sich und diesmal stand die Prüfung zum Gelbgurt an. Das ist an sich schon eine aufregende Sache, aber schon vor Beginn der Stunde, bei der zwölf Prüfungen anstanden, hatten wir einen dramatischen Moment, als sie feststellte, dass ihre übliche Kampfpartnerin, die eigentlich auch Prüfung hatte, nicht erschien. Sie musste daher – oh Graus – mit einem Jungen kämpfen. Dabei muss erwähnt werden, dass sie die Jüngste in ihrem Kurs ist, der eigentlich erst ab 10 Jahren ist. Der Junge ist zwar älter, aber knapp einen Kopf kleiner, aber so ist das bei meinen Kindern häufig. Sie war also ziemlich nervös. Aber sie machte es wirklich gut.

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Ich hatte, um den nichtanwesenden Familienmitgliedern den Verlauf der Prüfung vorführen zu können, das Handy gezückt und gefilmt. Nur: für schwache Nerven ist das nichts! Immer wenn jemand mit Karacho auf die Matten geschleudert wurde, habe ich gezuckt und als ihr Trainer am Schluss sagte, dass sie jetzt mit Schmackes aufeinander einprügeln sollen, habe ich Schwierigkeiten gehabt, die Augen offen zu lassen. Am Ende der Prüfung war sie knallrot und außer Atem, aber glücklich. Und nun darf und muss sie den Gelbgurt tragen und ich bin etwas vorsichtiger geworden. Man muss sie ja nicht unnötig reizen…

Babyschritte

Immer wieder komme ich zu der Erkenntnis: Ein Schritt nach dem anderen zu machen, lohnt sich. „Babyschritte“, wie es in dem Film „Was ist mit Bob?“ mit Bill Murray und Richard Dreyfuss lautet. Das hat sich auch gerade wieder beim Lektorat gezeigt:

Dadurch, dass mir das lektorierte Manuskript in Häppchen zurückgeschickt wurde, war es gar nicht so schlimm. Vier, fünf Kapitel geht man schneller durch als 29 auf einmal. Schwieriger wurde es dann, als alles durch war und ich alle Häppchen auf einmal zurück geschickt bekam mit der Auflage, alles noch einmal durchzugehen. Blöderweise auch noch am Tag vor meinem Geburtstag, an dem ich wirklich einmal nur genießen wollte. Ist nicht so einfach, wenn man zu Hause arbeitet, der Mann lange unterwegs ist und die beiden Goldschätze ihren Tribut fordern.

Aber ich blieb standhaft: Den Geburtstag habe ich genossen, auch wenn K1 dummerweise den ganzen Tag weg war, weil sein Freund am gleichen Tag Geburtstag hat wie ich. Ich weiß auch nicht, was sich seine Mutter dabei gedacht hat, schließlich sind wir schon seit der Grundschulzeit befreundet, aber im Nachhinein lässt sich da wenig machen. Wir ließen uns davon nicht abschrecken, sind nach Potsdam gefahren und haben eine ziemlich teure Führung durch Sanssouci gemacht. Ich liebe ja die preußische Geschichte, seit ich als Kind eine Kindergruppenreise zur Burg Hohenzollern, dem Stammsitz der preußischen Könige, gemacht habe und am Sarg Friedrichs des Großen stand. Na ja, so richtig wurde die Leidenschaft von meinem Geschichtslehrer geweckt. Er hat mich ein Referat über die schöne Wilhelmine machen lassen, die einflussreiche Geliebte von Friedrich Wilhelm II. und seitdem ist es um mich geschehen. Da sieht man mal wieder, welch positiven Einfluss Lehrer haben können. Das thailändische Essen danach, beim dem man auf der Erde sitzt und die Beine in ein Loch im Boden steckt war ebenfalls wunderbar. Na, jedenfalls habe ich mein Vorhaben an dem Tag wahrgemacht und darauf verzichtet, das Dokument zu öffnen.

VielZuTun

Am nächsten Tag habe ich mich dann mit neuem Elan ans Werk gemacht, aber der Anblick der vielen Dokumente im Anhang hat mich erstmal schnell wieder den Laptop schließen und panisch im Raum umher laufen lassen, bis ich mir einen Ruck gegeben habe und einen neuen Anlauf genommen habe. Aber was soll ich euch sagen: Es hat gedauert. Und wenn ich ehrlich zu mir bin, hat es zu einem guten Teil daran gelegen, dass alles auf einmal war. Trotz alledem: Es ist fertig. Juchhu! Also, Leute, denkt daran: Babyschritte, dann klappts auch mit den großen Aufgaben.

Unter Kollegen

Das ist eine schwierige Sache:  Soll ich Bücher von Kollegen, die ich persönlich kenne, rezensieren?

Ich tue mich ein wenig schwer damit. Natürlich lese ich viel. Logisch sind auch die Krimis meiner Kollegen darunter, die ich von den Mörderischen Schwestern oder aus dem Syndikat kenne.  Aber ich merke, dass das etwas anderes ist.

Diese Bücher lese ich anders. Wenn ich etwas über die Lebensumstände der Autorin weiß, wenn ich weiß, wie sich der Kollege privat verhält, dann bin ich nicht mehr objektiv. Ich habe den Menschen, der dahinter steht vor Augen und nicht die nötige Distanz, um ein Buch neutral zu bewerten. Stattdessen sitze ich da und mache mir Gedanken warum er oder sie sich für diese Wendung entschieden hat, warum er sich wohl für jenen Schauplatz entschieden hat, welche „Schreibwerkzeuge“ benutzt werden und … und … und …

Aus diesem Grund bin ich zu den Schluss gekommen, dass es so nicht geht. Ich höre also ab sofort auf zu lesen! Nein, natürlich nicht. Ich lese auch weiter die Bücher von Kollegen. Aber ich werde mich zu keiner ernsthaften Kritik hinreißen lassen.

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Das hat auch noch andere Gründe:

  • Ich will niemanden, den ich persönlich kenne, sollte mir das Buch nicht gefallen, zu sehr vor den Kopf stoßen. Dafür bin ich zu zart besaitet, sonst hätte ich auch Jura weitermachen können, wo sich alle ständig streiten. 😉
  • Es könnte auf den Außenstehenden seltsam wirken, wenn ich das Buch eines Kollegen rezensiere und er meines. So ein bisschen nach dem Motto: Die eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus. Gefälligkeitsrezensionen sind nicht meins.

ABER: Ich lasse euch trotzdem wissen, wenn ich ein Buch besonders bemerkenswert finde. Das ist doch ein Deal, oder? Zumindest erscheint es mir gerade ganz toll. Wollen wir sehen, ob es so bleibt.

Und darauf jetzt ein Buch!