Krimimama – Schreiben mit Kindern

Über das Schreiben, den Alltag und den Rest der Welt – ein Blog von Kristina Herzog

Exit the Room

Schon mal von „Exit the room“ gehört? Es ist ein großer Spaß, den mein Mann und ich uns heute zusammen mit K1 und einem Freund von ihm gegönnt haben. Angelehnt ist das Ganze an Computerspiele, bei denen man innerhalb von einer begrenzten Zeit eine Aufgabe lösen muss. So ist das auch hier, nur in echt.

Wir waren also pünktlich in den „Exit the room“-Räumen in Berlin und wurden sehr nett eingewiesen. Die Aufgabe war: Wir werden zurückversetzt in die Zeit des Kalten Krieges, waren Mitglieder des MI5, die die Information bekamen, dass wir gleich die Wohnung eines vermeintlichen sowjetischen Agenten betreten würden, in der eine Bombe vermutet wird, die in einer Stunde losgehen sollte. Dann ging es los: Wir traten ein in ein Wohnzimmer der späten Fünfziger oder frühen Sechziger Jahre. Überall altes Zeugs, hinter dem sich Hinweise verbergen konnten.

Hektisch legten wir los, hoben alles an, was nicht niet- und nagelfest war, öffneten Schränke und Türen, die nicht verschlossen waren und notierten alle Codes und Zahlen, die wir finden konnte, ohne jedoch so richtig weiter zu kommen. Denn es waren zahlreiche Schlösser zu sehen, die zum Teil mit Zahlenkombinationen, zum Teil mit Schlüsseln zu öffnen waren, die wir aber nicht hatten. Wir probierten alle Zahlen, die wir finden konnten, eine auf einen Porzellanhund, die andere in einen alten Koffer notiert, aber nichts öffnete das Zahlenschloss, mit dem wir an eine Leiter gekommen wären, die uns einen Blick auf die höhergelegenen Ebenen ermöglicht hätte. Dankenswerterweise hatten wir ein Funkgerät dabei, mit dem wir die Spielleiterin, die uns über Kameras beobachtete, um Hinweise bitten konnten. Als wir den entscheidenden Hinweis bekamen, ging es ganz schnell. Wir konnten Schloss um Schloss öffnen und fanden immer neue Hinweise. Und dann kamen wir durch eine Geheimtür in den Bombenraum. Auch dort mussten wir Hinweise suchen und Rätsel lösen, aber was soll ich euch sagen: Wir haben es geschafft! Wir hatten sogar noch über sechzehn Minuten übrig.

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Zur Belohnung durften wir uns mit Eddings auf der Wand verewigen. Ein wirklich großer Spaß. Demnächst werden wir den anderen Raum testen. Eine Irrenanstalt. Ist sicher lebensnäher, als manch einer denkt. Zumindest manchmal.

Wer auch mal ein Exit-the-Room Game erleben will, findet bestimmt auf www.escape-game.org auch etwas in seiner Nähe.

Ist Schreiben eigentlich Arbeit?

Es gibt so Sachen, die nerven mich gewaltig! Eine wäre da zum Beispiel folgende Äußerung: Du hast doch Zeit, du arbeitest doch nicht, könntest du nicht … (hier kannst du etwas Beliebiges einsetzen).

Hmm, euch kann ich es ja sagen: Auch wenn ich dafür nicht aus dem Haus gehe oder monatlich mein festes Gehalt bekomme, ich tue es: ich arbeite! Und nein: Ich kann nicht. Zumindest nicht alles. Nicht, wenn ich meine Arbeit ernst nehme und meine Ziele erreichen will. Und das will ich! Ich setze mich alle paar Wochen hin und überdenke das, was ich schaffen will. Und dann setze ich das um. Und zwar so wie alle anderen, die arbeiten. Nur eben zu Hause und zu meinen Bedingungen. Das hat zur Folge, dass ich flexibler bin, was die Ferien angeht oder wenn eines der Kinder krank wird. Ich kann auch mal einen Arztbesuch auf den Vormittag legen. Aber es hat auch die Konsequenz, dass ich im Urlaub l den einen oder anderen halben Tag am Laptop sitze und versuche, das zu organisieren, was eben zu tun ist.

Aber ich will nicht jammern. Genau so will ich es haben. Ich möchte mein eigener Herr sein und frei über meine Zeit entscheiden können. Und wenn ich mal einen halben Tag Zeit für Handwerker verbrauche (gestern zum Beispiel drei Stunden, um die hartnäckige Verstopfung im Küchenabfluss beseitigen zu lassen – eine zähe Sache, kann ich dir sagen) oder mit den Kindern etwas unternehme, dann setze ich mich eben am Abend hin und arbeite. Und das ist auch ganz in Ordnung so, aber solche Äußerungen, die nerven mich!

Übrigens habe ich im Urlaub auch ein wenig meine Kreativität fließen zu lassen: Diesmal aber nur zum Teil mit Worten. Den anderen Teil seht ihr hier:

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Gute Bücher, schlechte Bücher

Wie seht ihr das eigentlich? Gibt es gute und schlechte Bücher? Gibt es Bücher, die man mit gutem Gewissen lesen darf und solche, die man lieber im Stillen liest und nicht darüber redet, weil es ja ein schlechtes Licht auf einen werfen könnte?

Ich lese gerade mehrere Bücher: Die Druckfahnen für „Abschiedskonzert“ kamen ein paar Tage vor dem Urlaubsbeginn und ich wollte es unbedingt schaffen, sie vorher fertig zu bekommen. Auch wenn es harte Tage waren, denn nebenbei mussten die Plünnen der gesamten Familie eingepackt werden, konnte ich am Abreisetag den Brief mit den Fahnen im Briefkasten versenken. Und jetzt bin ich frei und lese: Das Glücksbüro von Andreas Izquierdo, Stiller Tod von Roger Smith, Gone Girl von Gillian Flynn und Dampfnudelblues von Rita Falk. Alle unterschiedlich, alle auf ihre Art faszinierend, aber ich muss sagen, dass ich den Dampfnudelblues am schnellsten „gekillt“ habe. Und es hat Spaß gemacht, aber ist es „comme il faut“? Kann ich dazu stehen? Immerhin ist es ja nicht „Shades of Grey“ oder ähnliches, wobei ich gerne auch zugebe, dass ich den ersten Band davon auch gelesen habe und ihn irgendwie langweilig fand.

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Letztens erzählte ich einer Kollegin von dem Ken Follett, denn ich damals gerade ausgelesen und der mir so gut gefallen hatte. Sie sah mich hochgezogenen Augenbrauen an und sagte dann: „Follett lese ich nicht.“ Darf man Ken Follett also nicht lesen? Ist es zu leichte Kost, um darüber reden zu können?

Ich habe eine Weile darüber sinniert und bin zu dem Schluss gekommen: Nee! Ich finde es eine große Kunst, Leser mit dem geschriebenen Wort fesseln zu können. Es ist das Beste überhaupt, wenn es einem Autor gelingt, mit seinem Text einen solchen Sog auszuüben, dass der Leser das Buch verschlingt und es nachher mit einem guten Gefühl zur Seite legt. Gut oder schlecht, leicht oder nicht: Hauptsache, ihr lest, Leute, dann tut sich euch eine neue Welt auf! Und das sage ich mit gutem Gewissen.

Ab in den Urlaub

Das ist ja mal wieder typisch: Da freut man sich auf den Urlaub, plant genau, wie man alles organisiert und wann was eingepackt werden muss und dann … kommt alles ganz anders.

Das Unheil nahm seinen Lauf mit dem Schienenersatzverkehr der U-Bahn, so dass mein Mann sich plötzlich auf dem Weg von der Arbeit nach Hause (bei der natürlich pünktlich zum Urlaub auch alles furchtbar dringend und noch viel mehr als sonst ist) in einem überfüllten Bus wiederfindet. So weit, so gut. Dann aber fällt ein Betrunkener gegen eine Frau mit Kinderwagen und zieht einigen Aufruhr und viel Interesse auf sich. Als der Bus bei der nächsten Station anfährt, fragt die Kinderwagenfrau, warum mein Mann denn nicht auch ausgestiegen sei. Der sieht sie einigermaßen perplex an, ist er doch erst ein paar Stationen später am Ziel. Dann erklärt sie ihm, dass zwei Jungen die ganze Zeit an seiner Tasche hantiert hätten und wahrscheinlich etwas hätten mitgehen lassen. BINGO! Genau das haben sie und zwar das Portemonnaie. Vollgefüllt mit dem bereits abgehobenen Urlaubsgeld und sämtlichen Karten. Und wenn ich sage, sämtliche, dann meine ich auch sämtliche. Alles ist weg: Führerschein, Bankkarte, Tankkarte, Ausweis, Kreditkarten, sogar die Büchereikarte und noch andere wichtige Dokumente.

Da stellen sich mir doch zwei Fragen: Zum einen: Wieso sagt die Frau ihm nicht vorher Bescheid? Und zum anderen: Wie zum Geier sollen wir es schaffen, die nötigsten Dokumente bis zum Urlaub wieder zu beschaffen. Interessanterweise bekommt man trotz mehrerer Versuche erst einen Termin beim Bürgeramt drei Monate später. Also kein Ausweis, aber immerhin gibt es ja noch den Reisepass. Bei der Führerscheinstelle lief es besser. Nach einer knappen Stunde Anstehen bei dem Versuch, eine Wartenummer zu ergattern, bekommt der holde Gatte die Auskunft, dass er am nächsten Morgen um 7 Uhr 30 wieder erscheinen dürfte, um es noch mal mit einer Wartenummer zu versuchen. Überflüssig zu sagen, dass die Führerscheinstelle am anderen Ende von Berlin ist, oder? Er steht also am nächsten Morgen um kurz nach fünf auf, um pünktlich zu sein und erfährt dann dort auch recht zügig, dass er zwei Tage später um halb elf wieder erscheinen dürfe. Diesmal aber sogar mit einem festen Termin. Das klappte dann auch überraschenderweise und weitere zwei Tage später durfte er endlich seinen neuen Führerschein gegen Zahlung von knapp 50 € entgegennehmen, leider aber natürlich auch nur in der Arbeitszeit, aber gut, was tut man nicht alles, wenn man die Fahrt in den Urlaub sicherstellen möchte.

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Aber jetzt ist es traumhaft: Temperaturen über 30 Grad, Pool, Bogenschießen, Atelier, Tennis, tolle Bücher, Walken, wundervolle Buffets und nette Gesellschaft. Aber nach den Vorerlebnissen kann man auch sagen: Das hamwer uns verdient!

Entspannung mal anders

Habt ihr eigentlich schon einmal von ASMR gehört? Ich bin diesem Phänomen vor einigen Wochen begegnet und seitdem davon fasziniert.

Es heißt Autonomous Sensory Meridian Response und bedeutet ein emotionales Kopfkribbeln, das durch bestimmte Impulse ausgelöst wird. Inzwischen gibt es eine Menge Videos auf Youtube, in denen Entspannung und jenes Kribbeln ausgelöst werden sollen.

Mein absoluter Liebling ist Gentle Whispering, eine russische Youtuberin, die in den USA lebt und englischsprachige Videos zu vielen verschiedenen Triggern, also jenen Impulsen macht, die eben jenes Kribbeln auslösen sollen.

Gentle Whispering

Maria von Gentle Whispering

Manchmal macht sie Rollenspiele und tut so, als würde sie einen Anzug anpassen oder sie kämmt und frisiert Haare, manchmal erklärt sie russisches Essen oder zeigt Notizbücher. Dabei können ganz verschiedene Auslöser funktionieren: Mal sind es Raschelgeräusche, mal das Tippen auf harte Gegenständel. Und immer flüstert sie. Kurz gesagt: Es ist wundervoll.

Nach einem langen Tag zwischen Arbeit, Kindern, Küche und Kinderhobbies, gespickt mit ein wenig Hausarbeit hier und da, kann so ein ASMR- Video eine wunderbare Entspannung bedeuten.

Probiert es mal aus: Es ist faszinierend!