Krimimama – Schreiben mit Kindern

Über das Schreiben, den Alltag und den Rest der Welt – ein Blog von Kristina Herzog

Buchbaby

Oh Mann, das ist wirklich schade. Da erlebst du einen unvergleichlichen Moment und bist noch zu benebelt, um dir wirklich darüber klar zu werden. Wirklich schade! Denn dieser Moment, wenn du dein neues Buch, an dem du wirklich lange gearbeitet, nachgedacht, recherchiert, verbessert und überarbeitet hast, endlich in den Händen hältst, ist ein überwältigendes Gefühl. Ein wirklich unvergesslicher Augenblick. Blöd nur, wenn du gerade erst wieder aus dem Krankenhaus entlassen wurdest und von der Narkose und allen Begleitumständen noch zu benebelt bist, diesen Moment wirklich zu erfassen. Wenn du dieses Glücksgefühl verpasst, weil du noch nicht wieder Herr deines Körpers und vor allem Geistes bist.

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So dunkel kam mir ja der Gedanke: Oh wie schön, ist aber früh. Dann aber fielen mir wieder die Augen zu und ich dämmerte vor mich hin. Grrr. Ein paar Tage später lässt sich das leider nicht so richtig nachholen, auch wenn der Kopf schon wieder viel weniger wattig ist.

Aber es ist soweit: Mein neues Buchbaby ist auf der Welt und ich bin langsam dabei, es zu begreifen. Und: Es geht aufwärts. Langsam zwar und meiner Ungeduld natürlich nicht genügend, aber es wird. Und ich bin unglaublich froh, dass mein verständnisvoller Chirurg mir erlaubt hat, einen Tag früher zu gehen. So ein Mehrbettzimmer im Krankenhaus hat seine Tücken, das könnt ihr mir glauben und auch wenn es noch ein paar Schritte sind, bis ich wieder völlig auf den Beinen bin: Ich bin wieder da!

Der Neue

Jedem Anfang soll ja ein Zauber innewohnen. Und ja, genau so ist es auch bei einem neuen Roman. Gerade habe ich mit dem Schreiben meines neuen Krimis begonnen. Naja, technisch ist das zwar richtig, denn jetzt kommt die Geschichte aufs Papier. Wirklich begonnen habe ich aber eigentlich schon vor über zwei Jahren, denn damals kam die Idee dazu mit der bewegten Geschichte einer Freundin auf. Bis es so weit ist, dass das Ganze dann wirklich in ein Manuskript verpackt wird, muss alles erst Mal eine Weile reifen. Ich muss die Figuren in meinem Kopf hin und her bewegen, sie kennenlernen. Ich muss vor mich hin konstruieren, wieder verwerfen, dann neu planen, bis ich mich mit dem Ganzen wirklich wohl fühle. Das kann sich schon mal eine Weile hinziehen. Und zwischendurch ist es durchaus möglich, dass alles einfach umgekippt wird. Wenn es nicht passt, dann wird es auch nicht geschrieben, so einfach ist es.

Jetzt kenne ich die Figuren. Sogar so gut, dass sie bei Bedarf auch mit mir im Haus sind. Ich weiß, wie sie riechen, wie sie handeln, wie sie sprechen. Dann kommt die Feinplanung. Erst ist da die Überlegung: Was soll passieren? Wem geschieht wann was? Wenn das feststeht, packe ich das Ganze in ein Gerüst. Eine Planung der einzelnen Stadien, der Szenen, der Auftritte der Charaktere, einfach alles. Danach ist es endlich soweit, dass ich mich an den Laptop setze und mit dem Tippen beginne. Das ist dann aber erst die erste Fassung. Die zweite Fassung folgt am nächsten Tag, wenn ich das Geschriebene vom Vortag noch einmal durchgehe und verbessere. Dann geht es weiter mit der nächsten Szene. Zwischendurch warte ich immer ungeduldig auf meinen Mann, weil er der Erste ist, der das frisch zu Papier Gebrachte lesen darf – und muss, schließlich brauche ich Feedback. Wenigstens ein bisschen.

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Dann kommt das Schreiben und Schreiben und Schreiben. Dabei passiert es natürlich immer wieder, dass die Figuren sich selbständig machen und die so wunderschön gemachten Pläne umwerfen. Das ist dann einerseits blöd, weil ja wieder neu geplant werden muss, aber andererseits ist das super, weil das bedeutet, dass die Figuren wirklich leben und ein Eigenleben entwickeln. Ja, und da bin ich gerade und es macht großen Spaß. Der Zauber wirkt!

Kindergeburtstag

So ein Kindergeburtstag ist ja so eine Sache: Einerseits ist es schön, wenn sich das Kind freut und mit seinen Freunden zusammen einen schönen Tag verbringen kann, ABER…

Und da fallen mir spontan so ein, zwei Fakten ein, die zum ABER passen könnten. Denn erstens ist es anstrengend. Wirklich anstrengend. So anstrengend, dass die ganze Familie nach Abzug des letzten Gastes völlig ermattet herumhängt und sich der Hoffnung hingibt, dass alles bald ein bisschen besser werden möge.

Zweitens ist es aufwändig. Denn mit dem Topfschlagen, Schokoladenessen und Mord-im-Dunkel-Spielen, wie es noch bei unseren Kindergeburtstagen vor Urzeiten gängig war, ist es heutzutage nicht mehr getan.

K2 ist 9 geworden. Leider hat das arme Kind so gut wie immer in den Sommerferien Geburtstag und ist daher gezwungen nachzufeiern, sofern sie alle Freunde dabei haben will. Und sie hat eine Menge Freunde!

Erstmal heißt es also, sich in das Rennen um den letzten Termin zu begeben, weil sie natürlich nicht die Einzige ist, die in den Ferien Geburtstag hat und sich damit ein gewisser Feierstau zum Ferienende bildet. Hat man es also geschafft, sich einen Termin zu sichern und die Einladungen unters Volk zu streuen, geht es an die Feinplanung. Letztes Jahr haben wir noch recht aufwendig zu Hause gefeiert. Mal gab es einen Pferdegeburtstag, dann wieder einen Monstergeburtstag, Cowboygeburtstag (allerdings eher bei K1), Prinzessinnengeburtstag und so weiter und so fort. Das erfordert ein gehöriges Maß an Vorbereitung und noch mehr Kraft. Blöd ist es dann, wenn zwei der anwesenden Grazien sich dann lautstark darüber beschweren, dass man bei uns noch nicht mal fluchen dürfte oder sich eine das Knie an die Nase haut und daraufhin eine volle halbe Stunde blutet (das trübt die Feierlaune aller immer ein wenig, kommt aber so gut wie jedes Jahr vor).

Dieses Jahr haben wir also beschlossen, das Ganze größtenteils aus dem Haus zu verlagern. K2 entschloss sich, mit der Bande klettern zu gehen. Wir haben einen schönen Kletterwald ganz in der Nähe und K2 war beim Probeklettern ganz begeistert. Die Mitgebsel, das Buffet, der Geschenkekorb bei ToysRUs, alles ist vorbereitet und dann kommt die Wetterfee und spielt just an diesem Tag verrückt. Die ganze Woche war prima Wetter, die Woche danach sollte prima Wetter sein, aber an dem Tag, an dem das Event geplant ist, gießt es in Strömen und es gibt eine Sturmwarnung. Nicht ideal, um mit einem Haufen aufgeregter Kinder durch die Bäume zu schwingen. Also muss eine Alternative her. Was macht man in der kurzen Zeit? Fieberhaft suche ich in meinem Gehirn und im Internet herum und eruiere zwei Möglichkeiten, die K2 kommod sind: Kino oder Germanys Next Topmodel mit Schminken, Nägellackieren, Fotos und Bilderrahmendekorieren. Dankenswerterweise entscheidet sich K2 für die Kinovariante, ist aber leider aufgeregt wie ein Sack Flöhe.

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Bedauerlicherweise färbt das auf die anderen Gäste ab, aber da wir die Minions sehen und ich allen erstmal die Fingernägel als Minion bemale, ist die Stimmung ganz gut. Mann, K1 und ich atmen auf, als wir es später geschafft haben, alle in der Kinoreihe sitzen zu haben. Doch leider sitzen sie nicht lange: sie ziehen die Schuhe aus und machen eine Brücke von einem Sitz zum anderen (ich sehe vor meinem inneren Auge schon das Blut aus sämtlichen Nasen quellen und die gebrochenen Knochen aus den offenen Wunden ragen). Dann kommen sie auf die Idee, mit Popcorn zu werfen, was ich jedoch zügig unterbinde. Plötzlich verschwindet eine und kommt eine Weile später mit einer riesigen Portion Nachos zurück. Endlich fängt der Film an. Doch wieder verschwinden zwei. Sie kommen eine ganze Weile nicht zurück. Der Mann geht raus, um die Verschollenen zu suchen. Sie stehen in einer ellenlangen Schlange, weil sie sich auch etwas kaufen wollen. Als sie endlich zurückkommen, hat eine andere Durst.

Als wir zu Hause sind und das Buffet vorbereiten, kommt Unruhe auf. Wir lenken sie mit einigen Spielen ab. Das kommt gut an. Als sie endlich am Tisch sitzen und reinhauen, stehe ich in der Küche und starre auf die Uhr. Nur noch eine halbe Stunde, dann haben wir es geschafft! Überflüssig zu sagen, dass die Letzte deutlich später abgeholt wird. Aber dann: Endlich Ruhe! Ein paar Tage später wird K2 krank. So ist es jedes Jahr: Die Aufregung. Kindergeburtstag ist schon etwas Feines.

Lesungsspaß für Autoren

Also manchmal ist es ja echt ein Kreuz: Da schreibt man einen Krimi, der auch zu einem Großteil im eigenen Bezirk spielt und denkt, dass es doch eine nette Sache wäre, auch hier besagten Krimi vorzustellen. Aber nein! Das wäre ja zu einfach gedacht. So läuft das nicht. Wobei: alles mein Fehler, ich habe einfach falsch gedacht.

Die ansässigen Buchhandlungen reagieren einfach nicht auf Anfragen. Auch nicht, wenn sie mehrfach gestellt werden. Jaja, ich weiß, dann wäre es doch eine gute Sache, einfach mal bei den Buchhandlungen vorbeizufahren und persönlich nachzufragen. Ist sicherlich auch richtig, aber es scheitert einfach daran, dass ich  keine Zeit dafür habe, die potentiellen Veranstalter abzuklappern und mir einen Korb nach dem anderen persönlich abzuholen. Ich habe da ganz wundervolle Erfahrungen mit meinem Debütkrimi gemacht.

Zwischenzeitlich kommt man dann ja auch so ganz selbstzweiflerisch auf die Idee, dass es an einem selber oder sogar am Buch liegen könnte, aber da die Herrschaften das Buch ja gar nicht gelesen haben und ich persönlich davon ausgehe, auch ganz manierlich aufzutreten, wird es dass eventuell nicht sein. Eine Kollegin erzählte mir von ähnlichen Erfahrungen. Sei´s drum.

Also schrieb ich die bezirkseigenen Bibliotheken an. Das sind gar nicht so wenige. Während viele gar nicht reagieren, schreibt mir eine der Büchereien: „Ja, wir freuen uns, dass zugestimmt wurde, dass Sie bei uns kostenfrei lesen können.“ Äh- wie bitte? Schon mal daran gedacht, dass das mein Job ist und ich auch von irgendetwas leben muss? Also schreibe ich zurück: Ich freue mich, würde aber doch gerne auch für meine Arbeit bezahlt werden. Wie wäre es z. B. wenn man eine Förderung über den Autorenlesefonds beantragen würde?

Antwort kommt prompt: Mhm, ja schwierig. Das müssten Sie mal mit unserer Hauptstelle sprechen, so was dürfen wir gar nicht beantragen.

Nun gut, könnte die Bibliothek bei Interesse ja auch selbst tun, aber schön. Die Antwort kommt nicht ganz so prompt: Nein, man würde nur noch Kinderlesungen im ganzen Bezirk über den Autorenlesefonds finanzieren. Leider wird es so nichts!

Nächster Vorstoß meinerseits: Okay. Wie wäre es dann mit Eintrittsgeldern?

Erste Bibliothek: Och, vielleicht kommt dann nicht so viel zusammen, wie Sie sich vorstellen, aber wir dürfen hier sowieso nichts selbst entscheiden. Fragen Sie doch mal die Hauptstelle, aber unsere Besucher hätten sich sicher sehr über eine Lesung von Ihnen gefreut.

Hauptstelle: Nope! Wir nehmen generell keine Eintrittsgelder. Fragen Sie doch in einem anderen Bezirk.

Grmmpf!

PolizeiBibliothek

Aber schön ist es dann, wenn es mit den Lesungen doch klappt! Gestern habe ich mit einer Kollegin in der Polizeibibliothek gelesen. Es war wunderschön dekoriert mit Blutstropfen und Fußspuren auf der Treppe, einem abgeklebten Leichenfundort und einer Lesung nur im sanften Licht einer Leselampe. Schön! So kann es auch gehen, ne, Bezirk?

Back to school

Und da ist er wieder: Der altbekannte Schulstress, der verlangt, dass jedes Kind pünktlich im Morgengrauen in der Schule sitzen muss, sie mit schlechter Laune um sich sprühen, wenn die Hausaufgaben zu machen sind und die Nachmittagsaktivitäten mit den Mamataxidiensten warten.

Ja, die Schule hat wieder angefangen. Und egal was ist, es hilft nichts: Egal, wie man schief man drauf ist, die Anforderungen kommen. Natürlich gab es vor den Ferien keine Besorgungslisten. Bis auf die Schulbücher konnte ich also nur die unerlässlichen Dinge vorbereiten: Neue Tuschkästen, Federtaschen aufräumen und aufstocken, Bucheinschlagfolie und Schnellhefter auf Lager kaufen und der Dinge harren, die da kommen mögen.

Selbstverständlich ist es egal, welche Hefter man da hat, denn in den häufigsten Fällen entsprechen sie nicht den lehrereigenen Vorstellungen. Diesmal lautete eine der Anweisungen, Papphefter zu besorgen und die Bücher mit einer anderen Folie einzuschlagen – wohlgemerkt die Bücher, die wir selbst gekauft haben. Haben wir natürlich nicht da. Aber gut, man tut ja was man kann, um den Kindern das Lernen zu erleichtern.

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Eine Sache nervt allerdings gewaltig: K1 besucht mit seinen 12 Jahren inzwischen die neunte Klasse – jaja, ich weiß, ziemlich jung, aber er hat eine Klasse übersprungen. Durch die Verkürzung der Schulzeit für Abiturienten in Berlin auf zwölf Jahre hat er täglich acht Stunden Schule, was bedeutet, dass er nicht vor 16 Uhr zu Hause ist. Dann muss er essen und gestresst, wie er schon ist, Hausaufgaben machen. Möglichst zügig, um rechtzeitig bei Sport und Musikunterricht zu sein. Das kommt natürlich immer super bei ihm an.

K2 ist gerade neun geworden und besucht die fünfte Klasse – jaja, gleiches Spiel wie bei K1, auch übersprungen. Sie hat zweimal in der Woche zur zweiten Stunde und dafür fast jeden Tag sieben Stunden bis 14 Uhr 30. Unnötig zu sagen, dass es hier ähnlich läuft wie bei K1.

Kurz gesagt: Die Nachmittage sind bei uns derzeit sehr entspannend. Naja, Schulalltag eben!