Krimimama – Schreiben mit Kindern

Über das Schreiben, den Alltag und den Rest der Welt – ein Blog von Kristina Herzog

Herbstferien mit Pubertierenden

Das ist schon ein Kreuz: Als Muttertier freut man sich auf die Ferien, schließlich ist der Terminkalender dann deutlich ausgedünnt, man muss weniger herumfahren, nicht an Aufgaben erinnern und kann morgens länger im Bett bleiben. So war das auch bei mir. Ich habe mich wirklich gefreut. Schließlich war auch in der letzten Zeit viel los und ein wenig Erholung ist wirklich nötig. Aber was soll ich sagen: Irgendwie läuft es doch ganz anders als in meiner Idealvorstellung.

Denn die andere Seite der Medaille ist, dass man dann die lieben Kinderchen doch ein gutes Stück mehr um sich hat als sonst. Was ja an sich etwas Schönes ist, aber in der Zeit der Pubertät ist das doch mitunter ein hartes Schicksal. Ich möchte nicht jammern, aber wenn ich allein an gestern denke, läuft mir ein Schauer über den Rücken. Eigentlich fing alles ganz gut an. Wir haben gemeinsam Frühstück gemacht, zu youtube-Videos gesungen und waren im Großen und Ganzen gut drauf. Dann forcierte K1 allerdings seinen Plan, ein  Cruiserboard selber zu bauen. Er hatte sich bereits informiert, was man so braucht. Eigentlich wollte er es zusammen mit seinem Freund bauen, dessen Vater gelernter Schreiner ist, so dass ich noch relativ gelassen war. Doch das ging ihm wohl zu langsam und so rief er seinen Opa an, ob er Zeit hätte, mit ihm zum Baumarkt zu fahren, schließlich ist er – kurz nach seinem 13. Geburtstag – derzeit flüssig. Das tat Opa auch postwendend und sie kamen schwer bepackt zurück.

Was ich nicht wusste, war, dass K1 sich sofort ans Werk machen würde, denn ich stand in der Küche und war dabei, der hoffnungsvollen Brut ein schmackhaftes Mittagessen zu kochen. Ja gut, ich hätte misstrauisch werden können, als er plötzlich Zeitungspapier suchte. Das ist zwar seit Jahr und Tag an derselben Stelle, aber er ist ein Teenager, da kann man nicht erwarten, dass er sich solche Nickeligkeiten merkt. Ich war also in meine Kocherei versunken, so dass ich auch nicht bewusst wahrnahm, dass K1 ab und an lautstarke Verwünschungen ausstieß. Das Unheil wurde mir dann erst so richtig bewusst, als ich die Tür zum Flur öffnete und dort das Goldkind umgeben von viel Zeitungspapier, Sperrholzplatten und noch mehr Leim fand. Leider hatte das Zeitungspapier den Leim nicht davon abhalten können, auch auf den Boden zu sickern. Als ich relativ aufgebracht K1 darauf hinwies, verlor er leider die Nerven, ließ die zusammengeklebten Bretter fallen und noch mehr Leim bahnte sich seinen Weg. In dem Versuch, feuchte Tücher zu holen, tappte er leider auch noch in eine der Kleberlachen, die freudig die Chance ergriff, sich auch auf noch saubere Bereiche zu verteilen.

Was soll ich sagen: Es dauerte lange, wirklich lange, bis das Chaos beseitigt war und das Werkstück auf der Terrasse lagerte, wo es fröhlich weiter vor sich hin tropfte. K1 verschwand dann erstmal zu seinem Freund, um sich von dem Schrecken zu erholen. Na ja, heute ist ja auch noch ein Tag: Ruhe, hier bin ich.

Aber: Nein! Jetzt will er auch noch eine Stichsäge. Ich habe Angst!

Alltagsorganisation

So langsam wird es ein wenig unübersichtlich. Der Alltag mit seinen zahlreichen Terminen und Arbeiten, Vokabeln lernen, Änderung der Trainingszeiten stellt mich immer wieder vor Herausforderungen. Wie lästig ist es, wenn ich jemand anderen bitten muss, K1 zum Training zu fahren, weil ich aus irgendwelchen Gründen verhindert bin und mir dann nicht die genaue Adresse einfällt, einfach weil ich mir zwar den Weg und vielleicht noch die Straße merke, aber nicht auch noch die Hausnummer oder ähnliches. Und wie zum Geier soll man es schaffen, den Überblick über die Klassenarbeiten, Ausflüge oder Tests zu behalten, wenn beide Kinder haufenweise Termine haben? Oder wie oft habe ich schon kurz vor Beginn des Elternabends krampfhaft nach der Tagesordnung gesucht, weil irgendwer sie mal wieder irgendwo hingelegt hat und sie nicht mehr da ist, wo sie eigentlich sein sollte? Unter uns: So ein Elternabend ohne Tagesordnung in der Hand, die einem immer wieder vergegenwärtigt, wie weit man sich schon durch das Programm gekämpft hat, kann stark blutdruckerhöhend wirken. Und ich kann euch sagen: Ich habe da schon Sachen erlebt … Ich glaube, das traumatischste Erlebnis war ein Elternabend im Kindergarten, bei dem eine geschlagene Stunde höchst emotional darüber diskutiert wurde, ob es okay wäre, den Kindern am Nachmittag ab und an auch eine Scheibe Knäckebrot zum Obst zu reichen. Da gerät man an die Grenze der nervlichen Kapazitäten.

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Um den ganzen Herausforderungen etwas organisierter gegenüberzutreten, habe ich ein paar Neuerungen installiert: Zum einen hat jetzt jedes Kind ein eigenes Whiteboard, wo es Arbeiten, Termine, eventuelle Lernpläne einträgt, so dass sowohl die Kinder als auch wir es schaffen, den Überblick zu behalten. Zum anderen gibt es jetzt bei uns einen Schulordner, wo alle neuen Zettel aus der Schule, die sich ständig ändernden Stundenpläne der Kinder, Lehrer, Telefonnummern, Hobbies mit Adressen und allem, was sonst so anfällt, zu finden sind.

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Und ich muss euch sagen: Es hilft! Zumindest fühle ich mich jetzt superorganisiert. Ist ja auch nicht zu verachten!

Die Shakespeare Challenge

Kennt ihr das? Ihr hört oder lest von irgendetwas und es macht Klick und ihr wisst genau: Das will ich auch machen.

So ging es mir mit der Shakespeare Challenge oder genauer #15SecondShakespeare Challenge. Ich las davon und wollte es auch – anders als bei der Ice Bucket Challenge letztes Jahr. Im Grunde ist es ganz einfach: Man nimmt einen modernen Liedtext und trägt ihn vor wie ein Stück von Shakespeare, so dass es manchmal wirklich schwierig ist, das eigentliche Lied dahinter zu erkennen.

Genau meins also, schließlich habe ich mich zwei Jahre lang im Englisch-Leistungskurs mit sämtlichen Werken Shakespeares herumgeschlagen. Den ersten Akt, erste Szene aus Macbeth kann ich immer noch auswendig vor mich hinbrabbeln. Und vortragen tue ich auch gerne, also her mit der Challenge. Ein bisschen Recherche führte zu der Erkenntnis, dass die Challenge im Deutschen #20SekundenGoethe heißt. Es war mir auch sofort klar, welches Lied es sein würde, dass ich zerhackstückeln würde. Warum auch immer, wahrscheinlich Kindheitsprägungen oder sonst was. Zumindest kann ich den Text davon auswendig, was außerordentlich zum Gelingen der Challenge beiträgt. Auch das Setting hatte ich prompt vor Augen: Im Garten vor grünem Hintergrund und dabei mein treuer Lesungs-Begleiter … August- Wilhelm, mein persönlicher Totenkopf. Natürlich mit Sonnenbrille, schließlich wollen wir ja nicht, dass er bei der Helligkeit draußen etwas an den Augen kriegt. Tontechnisch eine kleine Herausforderung, aber hoffentlich trotzdem noch gut verständlich.

Naja, kurz gesagt: Hier ist das Ergebnis. Wie gefällt es euch?