Krimimama – Schreiben mit Kindern

Über das Schreiben, den Alltag und den Rest der Welt – ein Blog von Kristina Herzog

Wie erfindest du eigentlich deine Figuren?

Das ist drolligerweise eine Frage, die mir sehr häufig gestellt wird, wenn die Leute erfahren, dass ich Autorin bin. Es scheint eine schwierige Sache zu sein, obwohl das für mich inzwischen das kleinste Problem ist.

Ich sage dann häufig: Ich finde sie überall. Sie laufen auf der Straße, sitzen in der U-Bahn  im Wartezimmer eines Arztes oder sogar im Dschungelcamp. Wenn man die Augen offen hält, springen sie einen an. Und nein: um die nächste Frage gleich zu beantworten: Ich beschreibe nicht einfach Leute, die ich kenne oder die mir begegnet sind. Das habe ich am Anfang gemacht, einfach weil ich es noch nicht besser konnte. Heutzutage läuft das ein bisschen ausgefeilter: Ich liebe es schon immer, Menschen zu beobachten. Ihr Verhalten zu studieren, zu interpretieren und zu analysieren gehören zu meinen allerliebsten Beschäftigungen. Und so fällt es mir auch nicht schwer, glaubhafte Figuren zu konstruieren. Es ist wie in der Hexenküche: Ich nehme ein bisschen von diesem Menschen, ein wenig von dem und eine Eigenart von einem anderen, mixe das Ganze mit dem Aussehen von jenem und gebe noch das Talent eines anderen hinzu. Dann sehe ich mir diese Figur an, die ich da geschaffen habe und gehe eine Liste durch, die ich mir im Laufe der Zeit geschaffen habe. Darin stehen so Sachen wie: Lieblingsessen, bevorzugte Kleidung, Hobbies und ähnliches. Das hilft mir, die Figur auszuformen, sie bis ins kleinste Detail zu kennen.

Im Idealfall freunde ich mich mit der Figur an und am Ende eines Buches fällt es mir schwer, Abschied zu nehmen. Aber manchmal muss man das auch gar nicht, denn das sympathische Ermittlerpaar Alexander Rosenberg und Kathleen Neubauer aus „Abschiedskonzert“ lebt, liebt und fahndet auch in meinem aktuellen Buch, an dem ich gerade schreibe. Was soll ich machen? Sie sind mir so sehr ans Herz gewachsen, dass ich sie nicht mehr missen möchte, auch wenn ihnen schon hier und da Schreckliches passiert, aber das ist eben der Preis fürs Mit-mir-Arbeiten ;).

Neues Jahr, neues Glück

Happy new year!

Da ist es schon wieder, das neue Jahr und mit ihm die vielen neuen Chancen. Endlich ist das alte, vielleicht nicht so gute vergessen und wir können neu anfangen. Der Gedanke hat erstaunlich viel Ähnlichkeit mit dem Ablasshandel der katholischen Kirche im Mittelalter, aber Charme hat der Gedanke noch immer.

Wir haben ein blutjunges neues Jahr und die Welt steht uns offen … wenn wir es hinbekommen, häufiger Sport zu machen, besser auszumisten,  unsere Kontakte zu pflegen und so weiter und so fort. Kurz, wenn wir es schaffen, unsere Vorhaben für das ganze Jahr einzuhalten. Leider klappt das nur bei den Wenigsten und die Meisten schwächeln schon in der ersten Woche. Ist aber auch ein gewagtes Vorhaben: Wir wollen unser Leben, unsere eingefleischten Gewohnheiten ändern, weil wir uns von einem anderen Verhalten ein besseres Leben versprechen.

Daran ist ja grundsätzlich nichts Falsches, schließlich kommen wir nur weiter, wenn wir an uns arbeiten. Wie heißt es so schön? Life begins at the end of your comfort zone. Das bedeutet dann also, dass wir uns von liebgewonnenen Verhaltensweisen verabschieden müssen und sie durch neue zu ersetzen haben.

Gerade so ungeduldige Zeitgenossen wie ich laden sich den Vorhaben-Korb randvoll und preschen los, als gäbe es kein Morgen, fest entschlossen, mit dem Jahreswechsel ad hoc ein besserer Mensch zu werden und das Chaos aus dem eigenen Leben zu verabschieden. Oft so probiert und oft gescheitert. Häufig schon nach wenigen Tagen. Ist ja auch ein hoher Anspruch, die Komfortzone hier und jetzt abzuschaffen.

Seit einigen Jahren mache ich es anders und ich kann euch sagen: Es läuft wesentlich besser! Ich mache mir keine Jahresziele mehr, sondern Quartalsziele. Allerdings achte ich darauf, dass es auch wirklich meine Ziele sind und nicht die von anderen, die dies und jenes von mir erwarten, denn nur so klappt es. Ich durchdenke mir gut, was ich verbessern möchte und verpacke das in Häppchen, die ich notiere. Ich mache mir also eine Liste, laminiere sie und hefte sie in meinen Organizer, so dass ich gezwungen bin, immer wieder einen Blick darauf zu werfen. Inzwischen bin ich sogar dazu übergegangen, die Punkte, die ich erledigt habe, auszustreichen. Und was soll ich euch sagen: Es macht mir einen Mordsspaß, den Erledigt-Haken hinter die Punkte zu setzen. Eine Motivation der besonderen Art.

Wenn ich ein Ziel nicht erreicht habe – und ja, das kommt immer wieder vor, weil ich nach wie vor dazu tendiere, mir zu viel aufzuladen – dann überlege ich mir, woran es liegt, dass der Punkt noch offen ist und überprüfe, ob es mir ein wirkliches Anliegen ist, die Sache anzugehen. Wenn ja, kommt es auf die Liste für das nächste Quartal und ich priorisiere das Ganze, wenn nicht, heißt es Sayonara und die nächste Sache ist dran.

Probiert es aus. Bei mir klappt es. In diesem Sinne wünsche ich euch ein zielorientiertes neues Vierteljahr!