Krimimama – Schreiben mit Kindern

Über das Schreiben, den Alltag und den Rest der Welt – ein Blog von Kristina Herzog

Lernen von den Großen: Halte durch, gib nicht auf!

John Green, der Autor von „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“, hat festgestellt, dass egal, ob du ein Buch liest oder schreibst, es keine Magie braucht, von der Mitte eines Buches zu seinem Ende zu kommen: Du musst einfach durchhalten.

Auch wenn es zwischendurch hart ist – und ich kann euch sagen: Das ist es immer mal wieder – muss man durchhalten, um ein Buch, das einem zwischendrin häufiger verrückt, blöd, sinnlos erscheint, weiterzuschreiben, weil es sonst nie von einem Manuskript zu einem Buch werden kann. Gut, gut, es gibt Ausnahmen. Nicht alles, was je geschrieben wurde, muss zwingend zum Buch werden. Aber wenn J. K. Rowling, Veronica Roth oder John Green nicht durchgehalten hätten, würde es das eine oder andere Meisterwerk nicht geben.

Es ist witzig, wie häufig ich gefragt werde, wie das denn so mit dem Schreiben ginge. Viele haben da noch die romantische Muse im Hinterkopf, auf die der Schriftsteller geduldig wartet, um dann in einem Rausch ein Manuskript niederzuschreiben, das natürlich keiner Überarbeitung geschweige denn eines Lektorats bedarf. Das Warten auf die Muse kann ein bisschen schwierig sein, wenn du zwei Kinder hast, die bekocht und zumindest nachmittags betreut werden wollen. Wenn ich da auf der Chaiselongue ausgestreckt auf die Ankunft der Muse wartete, wäre der Vormittag und damit meine Hauptschreibzeit vorbei und meine Laune wäre so dermaßen im Keller, dass sich die Muse tagelang nicht auf zweihundert Meter herantrauen würde. Also muss ich, auch wenn ich mich für gerade nicht so musengeküsst halte und meine Mittelbuch-Zweifel aufkommen, einfach weiterschreiben. Inzwischen tue ich das auch knallhart. Im Notfall kann ich den grausamen Teil ja in der Überarbeitung ändern oder gar streichen. Interessanterweise ist es beim späteren Durchlesen häufig gar nicht so schlimm, wie es mir in jenem Moment dünkte.

Daher mein Tipp: Halte durch, schreib weiter und schau, was am Ende rauskommt. Vielleicht ist es ja ein Meisterwerk! J

Lernen von den Großen: Geduld üben

Veronica Roth, die Erschafferin der unglaublich erfolgreichen Divergent-Trilogie, empfahl Autoren in einem 2012 erschienenen Interview geduldig zu sein.  Sie bezog das nicht nur auf das Warten auf Antworten von Agenten, Verlagen oder Kritikern, sondern auch auf die Geduld im Hinblick auf sich selbst und die Pläne, die man hat. Und auch wenn die zweite, dritte oder vierte Chance erst das Erhoffte bringt, sei es auch in Ordnung.

Ich muss sagen, dass sie mich ja damit erwischt hat. Geduld ist wahrhaftig nicht meine Stärke. Ich arbeite daran, geduldig zu sein, aber hart ist es immer noch. Recht hat sie trotzdem. Es klappt nicht alles gleich im Leben. Wenn man schon vor dem alles entscheidenden Versuch das Handtuch geschmissen hat, ist man allerdings blöd dran, denn dann wird die Möglichkeit, die das Schicksal vielleicht doch für uns vorgesehen hatte, ungenutzt verpuffen.

Das bedeutet aber auch, dass man nicht, kaum dass das Wort ENDE unter dem Manuskript steht und die Druckerfarbe noch am trocknen ist, das Manuskript in einen Umschlag wirft und postwendend an den nächsten Verlag schickt. Es ist manchmal hart, abzuwarten und erst einmal, zweimal, dreimal das Manuskript erneut zur Hand zu nehmen und wieder und wieder zu überarbeiten. Aber das ist nun einmal ein wichtiger Teil der Arbeit und entscheidend für die letztendliche Qualität des Manuskripts. Ich wundere mich immer wieder, wie viel mir auch beim x-ten Durchgang noch auffällt, das geändert werden muss. Und diese Bereitschaft ist leider unerlässlich, um dann auch – hoffentlich – einen Verlag zu finden, denn das ist heutzutage häufig schwieriger als gedacht, aber das ist ein anderes Thema.

Daher der Ratschlag von der Queen of Impatience: Übt euch in Geduld, es wird sich auszahlen!

Lerne von den Großen: Planen

Wie man an einen neuen Roman heran geht, das ist ja so eine Sache: Der eine setzt sich hin und lässt sich vom Flow tragen. Er tanzt mit der Muse und öffnet der Kreativität Tür und Tor.  Der andere geht pragmatischer an die Sache heran und plant den Ablauf, die Figuren, ja sogar jede Szene.

Zu Beginn meiner Schreibreise habe ich mir nicht allzu viele Gedanken darüber gemacht, wie ich anfange. Ich habe mich einfach hingesetzt und geschrieben. Go with the flow, sozusagen. Das war aber auch noch etwas einfacher, denn ich habe mich nicht gleich an ein ganzes Buch gesetzt, sondern Kurzgeschichten als eine Art Fingerübung benutzt. Allerdings habe ich schnell gemerkt, dass der Überarbeitungsprozess so wesentlich aufwendiger war, schließlich soll die Geschichte ja knackig zum Ziel führen und die Muse ist da manchmal etwas unberechenbar und lässt einen verschiedene Umwege nehmen. Aber all das hat etwas Feinsinniges, etwas Bachmann-Preis orientiertes.

Ich bin dann relativ schnell dazu übergegangen, meine Geschichten zu planen. Wahrscheinlich bin ich tief in meinem Innern ein strukturierter Typ. Deswegen lag mir das Jurastudium ja auch gut: Streng logisch subsumieren ist mein Ding. Anfangs plante ich locker, nur ein paar Eckdaten der Geschichte, inzwischen bin ich dazu übergegangen, einen akribischen Plan der Geschichte zu erstellen, bevor ich mit dem eigentlichen Schreiben beginne. Ich plane jedes Stadium, jede Szene durch. Gut, manchmal machen mir die Figuren einen Strich durch die Rechnung, weil sie ihren eigenen Kopf haben, aber das ist – wie gesagt – für mich ein Qualitätsmerkmal für glaubwürdige Charaktere.

Und interessanterweise verfährt J. K. Rowling genauso. Bei Pinterest und Facebook kursiert eine eng beschriebene Seite, auf der sie genauestens plant, was bei Harry Potter passiert. Siehste, hätte ich doch gleich auf sie gehört, dann hätte ich mir die eine oder andere harte Stunde erspart.