Krimimama – Schreiben mit Kindern

Über das Schreiben, den Alltag und den Rest der Welt – ein Blog von Kristina Herzog

Buchmesse Leipzig – Und wie war es so?

Jawoll, ich war dort. Man mag es kaum glauben, aber es war meine erste Buchmesse. Und so war ich auch nicht zwingend vorbereitet auf das, was mich dort erwartete. Ich kannte natürlich die vielen schönen Fotos auf Facebook, wie lächelnde Autoren neben noch stärker lächelnden Verlegern stehen, hinter sich die unendlichen Weiten der ausgestellten Bücher. Und ich kenne die Grüne Woche, die alljährlich im Januar in den Messehallen unter dem Funkturm stattfindet. Alles zusammen hat dann das Bild ergeben, dass ich mir in meinem Kopf zurechtgemantscht habe und das meine Erwartung für die Buchmesse war.

Ich kann es euch gleich sagen: Es ist anders. Das erste, was mir auffiel, war die Fülle. Wir kamen direkt aus Berlin und nach einer zweistündigen Fahrt (die letzte halbe Stunde für die letzten fünf Kilometer vor der Leipziger Messe) hat man manchmal das Bedürfnis, seinen Bedürfnissen nachzukommen, sprich: eine Toilette aufzusuchen. Leider hatten noch eine ganze Menge anderer Leute das Bedürfnis, so dass die Wartezeit vor der Damentoilette eine gute Viertelstunde betrug. Unterhaltsam war das Ganze allerdings durch die vielen Cosplayer, die die parallel stattfindende Mangamesse in Halle 1 besuchten. Ich muss sagen: ich bin voll Bewunderung für die Begeisterung, mit der sich die – meist jungen – Menschen in aufwendig gestaltete Kostüme zwängen, unabhängig von Kälte und mit (zumindest dem Anschein nach) schmerzenden Füßen in oft unglaublich hohen Schuhen.

Als wir die Toilettenhürde überwunden hatten, stürmten wir hinauf in die Hallen. Doch das, was ich dort sah, unterschied sich doch erheblich von dem Bild, das ich in meinem Kopf konstruiert hatte. Die Stände waren viel kleiner als erwartet und auch kaum geschmückt (im Gegensatz zu den Ständen auf der Grünen Woche, die ein wesentlich bunteres Bild abgeben, vielleicht vergleichbar den Rosenmontagsumzügen, die aber für uns Berliner zum größten Teil eine fremde Welt sind).  Derartig ernüchtert lief ich durch die Hallen, die vor Menschen nur so barsten. Unglücklicherweise war mein erster Messetag der am besten besuchte der gesamten Messe und ich als Hochsensible schwer geschockt. Trotzdem fanden wir uns relativ schnell zurecht und wurden so auch fündig: Zuerst stießen wir auf den Stand des FDA, wo ich am nächsten Tag mein Interview mit Dr. Uwe Kullnick führen sollte und eine Halle weiter fanden wir auch meinen Verlag. Ein paar Stunden später stand meine erste Lesung auf der Buchmesse auf dem Plan.

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Die Toilettenlage hatte sich mittlerweile dramatisch verschärft, so dass es sinnvoll war, gut zu planen, wann man sich anstellt, um sich vor der Lesung noch ein wenig frisch zu machen. Leider überzog der vor uns lesende Benedict Wells seine Lesezeit ein wenig, aber irgendwann konnten wir unsere Plätze auf der Bühne entern. Die Lesung war gut besucht, so um die 100 Leute lauschten unseren mörderischen Geschichten und ich durfte als Erste mit Abschiedskonzert beginnen. Eigentümlich war das Ganze, weil der Raum zwar von der großen Halle vier abgetrennt war, aber immer noch das Stimmengewirr von draußen hineindrang, doch die Mikrofone taten ihren Dienst. Der Bücherstand war danach gut besucht und insgesamt war die Lesung ein Erlebnis, das ich sehr gerne wiederholen möchte.

Meine Füße haben sich an dem Abend äußerst undankbar verhalten und ließen sich kaum aus dem Schuhen schälen, die ich aufgrund der aufgerissenen Blasen aber auch gar nicht mehr anziehen wollte (ist aber auch immer eine schwierige Geschichte mit meinen Riesenfüßen).  Trotzdem humpelte ich noch zum dem abendlichen Verlagsessen und es war wirklich nett, die anderen Autoren näher kennenzulernen und ein wenig zu plauschen.

Am nächsten Tag stand als Erstes das geplante Interview an. Das lief auch soweit ganz gut, bis wir fertig waren und mein Interviewer feststellte, dass leider nichts aufgenommen worden war. Als ich anderthalb Stunden später wiederkam, wusste er auch, woran es gelegen hatte: Die Speicherkarte war noch vom Abend vorher im Laptop und nicht im Aufnahmegerät. Der nächste Versuch lief dann glatt und wir machten uns noch auf die Suche nach Mitbringseln für die Kinder. Dankenswerterweise signierte gerade Isabel Abedi ihre Bücher, was für unsere Tochter ein gelungenes Geschenk war. Danach war für den Signiertisch Joscha Sauer, der Autor von „Nicht lustig“ angesagt. Das Tolle war: Er hat für jeden auf Wunsch einen Charakter aus seinen Büchern ins Buch gemalt, bevor er unterschrieben hat. Was soll ich sagen? Das ideale Geschenk für unseren Sohn, allerdings zog es sich etwas hin, denn bis so ein Yeti gemalt ist, dauert das eben ein bisschen. Der Sonntag war allerdings um einiges leerer als der Samstag und so konnte auch ich etwas gelassener das Ganze angehen.  Während wir noch am Tag zuvor überzeugt waren, dass das hier nicht so dolle sei, waren wir uns am Sonntag einig, dass die Buchmesse uns nicht zum letzten Mal gesehen hat. Möge die die Inspiration mit uns sein, die bei der Rückfahrt mehr und mehr über uns kam. Bis zum nächsten Jahr in Leipzig!

Netzwerken, Netzwerken und nochmal Netzwerken

James Dashner, der Erschaffer der Maze Runner-Trilogie, ist der Meinung, dass Netzwerken der Schlüssel ist. Fast jeder Autor könne seiner Meinung nach seinen Veröffentlichungserfolg zurückführen auf jemanden, den er auf einer Schreib-Konferenz getroffen habe. Wenn du veröffentlicht werden willst, gebe es keinen besseren Tipp, als den, zu jeder Konferenz zu gehen, die du finden und dir leisten kannst.

So weit, so gut. Das ist natürlich mit Kindern, die noch auf dich angewiesen sind, leichter gesagt, als getan. Und auch wenn man auf einer Konferenz ist, musst du es erstmal hinbekommen, mit anderen ins Gespräch zu kommen, die du nicht kennst (gar nicht so einfach, wenn man schüchtern veranlagt ist, kann ich euch sagen). Aber es macht schon Sinn, zu netzwerken. Ich bin seit Jahren Mitglied bei den Mörderischen Schwestern und habe schon viel Gutes durch den Verein erfahren. Meine erste Lesung hatte ich zusammen mit drei anderen Schwestern im Krimisalon der Bruno-Lösche-Bibliothek. Ich war ungeheuer aufgeregt, aber dadurch, dass ich nicht alleine war, war alles viel einfacher. Und abgesehen davon hätte ich die Lesung gar nicht erst bekommen. Doppel-Win sozusagen.

Seit einiger Zeit bin ich auch im Syndikat Mitglied. Im letzten Jahr habe ich es auch geschafft, zum ersten Mal eine Criminale zu besuchen. Das ging aber auch nur, weil sie in Büsum stattfand und dort an der Nordsee kaum Pollen fliegen. Daher bin ich auch dieses Jahr in Marburg nicht dabei. Aber ich profitiere immer noch von den Impulsen, die ich aus Büsum mitgenommen habe.

Dieses Jahr geht es das erste Mal für mich auf die Leipziger Buchmesse. Ich freue mich schon, bin aber auch gespannt, welche Erfahrungen ich dort machen werde. Auf jeden Fall wird es interessant: Am 19. 3. lese ich von 15 bis 16 Uhr in Halle 4 , Stand B 301/401 aus Abschiedskonzert und am 20. 3. werde ich um 10 Uhr 30 in Halle 5 Stand E 402 interviewt. Aufregend und vor allem: viele Möglichkeiten zum Netzwerken!

Lerne von den Großen: Kenne dein Publikum

Suzanne Collins, die Autorin von „Hunger Games“,  bringt es auf den Punkt: du musst zum einen wissen, für welches Publikum du deine Geschichte schreibst und zum anderen den Leser immer im Kopf behalten.

Besonders deutlich wird der Unterschied bei einer Kindergeschichte im Vergleich mit einem Roman für Erwachsene, denn beides erfordert einen unterschiedlichen Stil, eine andere Erzähltechnik und ein anderes Vokabular. Wenn man sich also für eine Zielgruppe entschieden hat, ist es wichtig, während des gesamten Schreibprozesses diese im Blick zu behalten und nicht zu vergessen, für wen man schreibt.

Ich finde es für mich immer recht schwer, festzulegen, wer denn die genaue Zielgruppe meines Buches ist. Außer natürlich die Unterscheidung, ob ich einen Kinder- oder Erwachsenenkrimi schreibe, denn hier liegt die andere Herangehensweise auf der Hand. Aber einige Agenturen und Verlage verlangen auch bei der Bewerbung um eine Zusammenarbeit eine Einschätzung der Zielgruppe und das bringt mich immer wieder ins Straucheln. Das liegt aber vor allem daran, dass diese Einordnung für mich beim Schreiben nicht so relevant ist. Ich streite nicht ab, dass ich unbewusst doch ein Bild meines Publikums habe, schließlich treffe ich ja dankenswerterweise auch immer wieder Leser auf meinen Lesungen und tappe daher nicht völlig ahnungslos durch die Schreibwelt. Angesichts des Erfolges von Frau Collins werde ich aber schleunigst in mich gehen und daran arbeiten, diesen Aspekt des Schreibens stärker zu beachten. Also zumindest werde ich es versuchen … beim nächsten Buch … vielleicht!